1685 - 1750 - 2017

 Johann Sebastian Bach: Die

"Big 5"-Biografen in 260 Jahren

 

Wer wollte urteilen? Urteilen über die Qualität der einzelnen Biografien über den Musiker und Komponisten Johann Sebastian Bach. Niemand will ... ich schon gar nicht. Runde 270 Jahre, Tausende von Autoren, Hunderte von Verlagen: Mehr als zweieinhalb Jahrhunderte sind nach Bachs Tod inzwischen vergangen und der Spaß und die Herausforderung, ein Buch über das Leben von Johann Sebastian Bach zu schreiben, sind unvermindert groß. Ständig schreiben die nächsten Autoren die nächste Biografie. Wie mein Mann ja auch.

Biografien über Bach kommen und gehen. Jedes Jahr. Sie werden in der Presse und in allen anderen Medien mit mehr oder weniger großem Traraa beleuchtet und wenn zwei Tage später etwas Anderes viel spannender ist, dann verblasst das erste Interesse meist bereits schon wieder.

 

Bei sehr wenigen Biografien über Johann Sebastian Bach war das anders. An zwei Händen lassen sich noch heute die wirklich bedeutenden Biografien aufzählen. Und trotzdem: Auch sie zählen nicht alle zu den "Big 5", den fünf wirklich bedeutenden Werken. Und selbst diese Analyse ist natürlich subjektiv, denn es ist meine.

Wäre es denn eine Biografie ... sie würde unbedingt zu den ganz großen Biografien über Johann Sebastian Bach gehören. Und vielleicht wäre sie sogar die erfolgreichste. Aber es ist eben keine Biografie. Leider gibt es von Esther Meynell, der Autoring dieses Bestseller mit den vielen, vielen Auflagen, darüber hinaus auch kein Foto. Und es ist außerdem gar nicht sicher, ob Meynell der richtige Name der Schriftstellerin war. Leider gibt es das Buch heute nicht mehr neu zu kaufen. Sehr schade ... eigentlich.

Vier dieser fünf berühmten Biograpen leben heute nicht mehr. Einer ist der heute weltweit anerkannteste Bach-Kenner und Bach-Autor, der seit langer Zeit bereits erfolgreich zum Thema Bach publiziert. Vier Biografien dieser "Big Five" zeichnet aus, dass sie unabhängig von ihrem Alter auch heute noch – und das frisch gedruckt – publiziert werden. Obwohl sich mancher Sachverhalt und sogar manche Wesentlichkeit in diesem Viertel Jahrtausend sehr verändert hat.

 

Die "Big Five", die 5 großen Biografien über Bach. Schlicht aneinander gereiht und als erste Übersicht sind das zunächst Nikolaus Forkel, dann Spitta, der Brite Terry, Schweitzer – ja genau, der Arzt im Urwald – und schließlich ist es der Professor, der an der Freiburger Universität lehrt und an der Elite-Uni in den USA überhaupt – Harvard – Christoph Wolff.

 

Zur Biografie oben, der von Esther Meynell. Diese Biografie verdient sich hier tortzdem ihren Platz, weil sie einerseits so ungeheuer erfolgreich über das Leben Bachs informiert, anderserseits tatsächlich keine wissenschaftliche Biografie ist, sondern eine liebenswürdige Erzählung des Lebens Bach aus der Sicht seiner zweiten Ehefrau Anna Magdalena Bach. Unseres Erachtens – das sind mein Mann und ich mit unserer Bach-Mission – macht es hundert Mal mehr Sinn, diese leicht eingängliche "Kost" zu lesen und in 95 % aller Bescheibungen historisch "richtig zu liegen", als "die falsche" Biografie in den Händen zu halten und nach einer Stunde gelangweilt oder genervt "hin zu schmeißen". Also ein klares Urteil: "Die kleine Chronik der Anna Magdalena Bach" ist keine Biografie, kann also auch nicht zu den "Big Five" zählen. Aber sie ist noch heute richtig leicht verdauliche Kost.

Die erste Biografie über Bach war eine Kurzbiografie

Der Nekrolog von 1750 ... geschrieben von Agricola, CPE Bach und Mitzler. Dies ist die erste Biografie über Johann Sebastian Bach überhaupt und sie basiert noch auf der Information, die – sozusagen firsthand – von den Biografen, erlebt waren. CPE ist Carl Philipp Emanuel Bach, einer der vier berühmten und fünf musikalischen Söhne Bachs, der auch als Berliner Bach bekannt ist und gleichzeitig dann zum Hamburger Bach wurde.

Einer der drei Autoren der ersten Biografie über den Thomas-Kantor: Carl Philipp Emanuel – "CPE" – Bach auf einer Briefmarke aus Madagaskar. Diese erste Biografie, die heute mehr einer Kurzbiografie entspricht, entstand 1750, wurde aber einer breiteren Öffentlichkeit erst 1754 bekannt.

Sie war immerhin runde 80 Jahre das, was man über Johann Sebastian Bach nachlesen konnte, bis der nächste "große Wurf" diese erste bedeutsame Bach-Biografie ablöste. Die Verfasser 1750 waren der Schwiegersohn von Johann Sebastian Bach, Johann Friedrich Agricola, Johann Sebastian Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel sowie der Musikwissenschaftler Lorenz Christoph Mitzler de Kolof. Leider gibt es nur von CPE noch Bilder, weil es spannender ist, gibt es CPE hier auf Briefmarke. Nicht von den beiden anderen oben genannten Herren. Aber wenigstens eben ... von CPE.

 

Auch hier wieder der Hinweis im Sinne des Themas dieser Homepage-Seite: Auch diese erste Biografie des Triumphirats rund um CPE kann nicht zu den berühmten 5 gezählt werden, denn dazu ist sie einfach zu kurz und ... es ist schlicht keine Bach-Biografie. Nur eben eine uralte, historische, spannende Urfassung einer Bach-Biografie.

Die "Big 5", Nr. 1 ... Die allerste richtige Biografie über den Komponisten Johann Sebastian Bach

Die allererste richtige Biografie über Bach wurde seit damals in vielen, vielen Auflagen wieder und wieder gedruckt.

Johann Nicolaus Forkel: Nur in einziges Bild gibt es von ihm. Wie gut: wenigstens das. Nun wissen Sie, wie der Meister des Wortes aussah.

Die "Big 5", Nr. 2 ... 6 Kilogramm Spitta über Bach

Das umfangreichste Werk über Johann Sebastian Bach von Philipp Spitta. Das ist nur einer von zwei Bänden. Band 1 sieht übrigens fast ganz genau so aus.

Herr Spitta. Für Sie ganz alleine.

Julius August Philipp Spitta ist – neben Forkel – einer ganz bekannten historischen Bach-Biografen. Er wurde runde 90 Jahre nach Bachs Tod 1841 geboren und wuchs damals – pi mal Daumen – genau in einer Zeit auf, als Felix Mendelssohn Bartholdy – selbst ein berühmter Musiker und Komponist – das Werk Bachs aus dem "Dornröschenschlaf" erweckt hatte" und damit die sogenannte Bach-Renaissance einleutete. Auch seine Arbeit zu Johann Sebastian Bach ist so bedeutend, dass sich die Neuauflage seiner zweiteiligen Biografie noch immer für den emittierenden Verlag lohnt.

 

Spitta war Musikwissenschaftler. 1873 veröffentlichte Spitta sein erstes Bach über den Eisenacher Musiker und man sagte diesem Werk nach, dass es Bach mit einem Schlage aus der Unbekanntheit zu den "höchsten Ehren der Wissenschaft erhob". 1874 führte diese Veröffentlichung dazu, dass Spitta ausgerechnet als Oberlehrer an die Thomasschule in Leipzig berufen wurde. Er gründete dort auch den Bachverein. Natürlich war das dann nur ein Schritt zu einer beachtlichen Karriere, die schließlich zu einer außerordentlichen Professur führte. 1880 schrieb er den zweiten Band. Er starb mit nur 52 Jahren und erhielt ein Ehrengrab in Berlin.

Die "Big 5", Nr. 3 ... ja, hier geht es um den berühmten Nobelpreisträger und Doktor in Lambarene, Afrika

Und Sie dachten bis jetzt, Herr Schweitzer kann nur Doktor? Und das war in Afrika? Nein, nicht nur schrieb der Könner eine Bach-Biografie. Nein, diese Bach-Biografie gehört auch noch heute zu den angesehensten Werken ihrer Art.

Hier ist er schon ganz der Arzt in Afrika. Aber auf der Briefmarke, da steht es deutlich sichtbar: Albert Schweitzer war auch ganz großer Bach-Fan.

Albert Schweitzer wurde runde 35 nach Spitta geboren – nämlich 1875 – und bevor er in Gabun in Afrika ein Krankenhaus eröffente, war der Doktor Musikwissenschaftler und auch ein ausgezeichneter Bach-Biograf, was die meisten Menschen heute nicht mehr wissen. 1953 wurde ihm der Friedensnobelpreis verlieghen ... aber natürlich nicht für seine Bach-Biografie. Schweitzer widmete sein Leben mit vielen Höhen und Tiefen den unterschiedlichsten Disziplinen. Er war auch Organist und er kannte sich mit dem Orgelbau aus. Wer nun mehr über Albert Schweitzer wissen möchte, ist mit einem Klick zu Wikipedia gut augehoben. Für uns ist Schweitzer noch als begeisterter Musik spannend, der Bachs Werke liebte und schließlich ist von Bedeutung, dass Schweitzer – neben vielen weiteren Werken – seine Biografie über Bach im Jahre 1908 veröffentlichte. Und das sind genau 35 Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Bandes über Bachs Leben von Vorgänger Philipp Spitta. Wirklich richtig spannend ist aber, das seit dieser Zeit beide Biografien erfolgreich neben einander existieren konnten. Als druckfrische, neue Bücher, die ja nicht nur zum Spaß oder aus Ehrfrucht wieder und wieder gedruckt werden, sondern weil sie so erfolgreich sind, dass sich ganze Auflagen auch verkaufen lassen. Und das neben den vielen, vielen unbedeutenden Biografien, die bald – nach und nach – kamen und gingen: zusammen rund 7.000 Stück. Publikationen über Bach und dessen Familie gibt es übrigens über 54.000.

Die "Big 5", Nr. 4 ... Der Herr Terry aus England

Charles Sanford Terry, Bach-Begeisterter und auch einer der ganz großen Bach-Biografen. So sah eines der verschiedenen Covers seiner Bach-Biografie aus.

Charles Sanford Terry lebte schon etwas näher an unserem Zeitalter. Geboren wurde er 1864 in Großbritannien.

Bemerkenswert ist, dass Charles Sanford Terry 11 Jahre vor Dr. Albert Schweitzer geboren wurde, seine Biografie über Bach erst lange nach der Schweitzers datiert. Er veröffentlichte seine Leistung zu Johann Sebastian Bach im Jahre 1928, also 20 Jahre nach dem Urwald-Könner. Ohne Frage gehört auch seine Bach-Biografie zu den ganz großen Werken über den Komponisten aus Thüringen. Interessant aber ist: Sie wird nicht mehr als neues Werk angeboten. Vor, aber auch nach Terrys Veröffentlichung der Bach-Biografie schrieb Terry schon einige weitere Werke zum Königlich Polnischen und kurfürstlich Sächsischen Hofkomponisten.

Die "Big 5", Nr. 5 ... Willkommen mit Bach im Interent-Zeitalter: Professor Christoph Wolff ist unser Mann

Heute ganz sicher die weltweit am meisten gelesene Biografie über Johann Sebastian Bach: Das Werk von Professor Christoph Wolff.

Ohne Frage ist Professor Christoph Wolff das Maß aller Dinge, wenn es um das Leben von Johann Sebastian Bach geht. Und ... er ist weit aus seriöser als mein Ehemann, wenn es darum geht, das Wissen zu Bach an die restlichen Menscheit zu vermitteln.

 

Copyright Foto:

Rolf H. Seyboldt www.seyboldt4media.com

Professor Chistoph Wolff ist die unbestrittene Autorität, wenn es heute um Bach geht. Er ist Musikwissenschaftler und 1940 in Solingen geboren. Er lehrt an der berühmten Harvard-Universitat in Cambridge, Massachusetts in den USA und ist Honorarprofessor an der Freiburger Universität. Er war auch 12 Jahre lang bis 2013 Direktor des Bacharchivs in Leipzig. Seine Bach-Biografie erschien erstmals 2001 und sie ist heute noch das Referenzwerk über den Komponisten aus Thüringen, das immer – in jedem Jahr – eine Weile lang von neuen Biografien über Bach begleitet wird. Sie allerdings kommen und gehen, während die Biografie Wolffs bleibt. Damit verging fast ein viertel Jahrhundert zweischen den beiden jüngsten besonders beachtenswerten und gleichzeitig erfolgreichen Bach-Biografien.


33 Musik-Kalender, 33 Komponisten-Kalender und – ganz selbstverständlich – auch 33 Bach-Kalender

Keine Homepage-Seite in der Johann Sebastian Bach Mission sollte ohne wenigstens einen Kalender enden. Oben ein Musik-Kalender, der gleichzeitig ja auch ein Komponisten-Kalender ist und dann schließlich auch noch ein Bach-Kalender. 99 Musik-Kalender: Drei Größen. 2017 + 2018. Zum Shop.

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